Bald ist es soweit. In gerade mal 7 Stunden kommt es zum Anpfiff im Stade de Genève. Das erste Mal seit 2003 wird das Stadion ausverkauft sein. In Genf ist die Hoffnung gross, dass zumindest ein Teil dieser Zuschauer auch sonst regelmässiger an die Spiele der Grenats reisen werden. Auch die Deutschschweizer Zeitung Blick widmet diesem seltenen Phänomen einen Artikel.
Für alle daheim gebliebenen, das Spiel wird heute bereits ab 20:05 auf RTS2 mit Vorbericht übertragen (Spielbeginn 20:30 Uhr). Leider überträgt das Deutschschweizer SRF dieses Spektakel nach wie vor nicht live.
Servette greift nach den Sternen / blick.ch / 15.08.2023 / Patrick Mäder
Das Stade de Genève platzt endlich aus allen Nähten
Es geht um viel und alle wollen dabei sein, wenn Servette am Dienstag gegen die Glasgow Rangers den nächsten Schritt Richtung Champions-League-Gruppenphase machen will. Spektakel ist garantiert!
Als 2003 das Stade de Genève eröffnet wurde, traute man seinen Augen kaum. Ein toller Palast, der innerhalb zweier Jahre für 93 Millionen Euro erbaut wurde, eingebettet in den Einkaufs- und Vergnügungskomplex La Praille im Süden der Stadt, zwischen Lancy und Plan-les-Ouates, dort, wo früher das Vieh geschlachtet wurde.
Schluss wars mit dem alten Charme des Charmilles-Stadions, das mitten im Servette-Quartier vor sich hin moderte und am Ende gerade noch 9250 Personen aufnehmen durfte. Ein solches Fassungsvermögen reicht zwar in der Regel auch heute noch aus, um den Genfer Fussball-Interessierten, die nicht gerade als Fanatiker bekannt sind, Platz zu bieten. Aber seit es das Stade de Genève gibt, bekommt die internationale Stadt wenigstens ab und zu auch das internationale Fussball-Flair, das ihm gut ansteht.
Es gab schon zahlreiche Highlights im Stadion. Das mit 30'000 Zuschauern ausverkaufte Eröffnungsspiel zwischen Servette und YB (1:1), als das Stadion im März 2003 eingeweiht wurde.
Eishockey im Stade de Genève
Die offizielle Eröffnung fand dann fünf Wochen später statt, mit dem Länderspiel zwischen der Schweiz und Italien, welches 1:2 verloren ging. Es folgten zahlreiche gut besuchte Länderspiele der Nati, mit dem Höhepunkt 2008, als drei Gruppenspiele der EM in Genf stattfanden. Der bisher letzte Nati-Auftritt im Stade de Genève fand am 2. Juni 2022 statt. Die Schweiz schlug Portugal in der Nations League 1:0 vor 26'300 Zuschauern. Haris Seferovic (31) traf bereits nach 56 Sekunden.
Es gab sogar Eishockey im Stade de Genève zu bestaunen. 2014 spielten im Rahmen der «NLA Winter Classic» Genève-Servette gegen Lausanne vor 30'000 Zuschauern. Und ein Jahr zuvor war auch der Boss zu Besuch. Bruce Springsteen fegte 2013 in strömendem Regen über die Bühne.
Bei diesen spektakulären Erinnerungen ist es enorm schade, dass Servette bei seinen Fussball-Heimspielen keine Euphorie im eigenen Stadion entfachen kann. 8431 Fans kamen durchschnittlich in der sehr erfolgreichen letzten Vizemeister-Saison ins Stade de Genève, um Fussball zu gucken. Und in dieser Saison, in der Trainer René Weiler (49) das Zepter schwingt? 13'644 waren es zusammen in den beiden Super-League-Heimspielen gegen Zürich (2:2, 7103 Fans) und St. Gallen (1:1, 6541). Der attraktive Fussball, den Servette spielt, hätte viel mehr verdient.
Genf steht kopf
Und jetzt? Plötzlich ist alles anders. Genf steht kopf. Am Dienstag wird das Stadion erstmals nach 2003 bei einem Servette-Spiel wieder ausverkauft sein. Bis auf die Pufferzonen zwischen den Genfer Fans und denen der Rangers wird das Stadion rappelvoll sein. Zu diesem Anlass werden die Türen zwei Stunden vor dem Anpfiff (20.30 Uhr) geöffnet, und Servette empfiehlt den Zuschauern nachdrücklich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln und frühzeitig nach La Praille zu fahren.
Riesenstimmung und Spektakel sind also programmiert. Als würde man den Schotten zeigen wollen, dass Fussball-Euphorie auch in Genf möglich ist. Im Hinspiel vor einer Woche sorgten 50'000 Rangers-Fans für eine gigantische Stimmung im Ibrox-Stadion. Mit dem 1:2 aus Sicht der Genfer ist für das Rückspiel noch alles möglich – erst recht mit der Unterstützung der Fans.
Würden die Genfer die Hürde Rangers tatsächlich überspringen, würden sie in den Champions-League-Playoffs gegen PSV Eindhoven oder Sturm Graz (4:1 im Hinspiel) um den Einzug in die finanziell extrem lukrative Gruppenphase kämpfen. Die Champions-League-Hymne im Stade de Genève? Das wäre ein Traum für die Genfer Fans und würde der Fussball-Begeisterung in der Uno-Stadt bestimmt einen grossen Schub verleihen.
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