Der Servette FC und Slavia Prag, zwei historische Institutionen des europäischen Fussballs, haben eine bedeutende gemeinsame Geschichte und standen sich schon mehrmals gegenüber. Die Bilanz ist (weitestgehend) ungünstig für die Servettiens.
Die Ursprünge
In Europa sind sowohl der Servette FC und Slavia Prag zwei Pioniervereine. Sie wurden 1890 bzw. 1892 gegründet und spielten grundlegende Rollen bei der Demokratisierung der sportlichen Betätigung in ihren Städten und Ländern. Beide Mannschaften zeichnen sich dadurch aus, dass sie "Allroundvereine" sind, die sich ursprünglich in anderen Sportarten entwickelt hatten: Rugby bei Servette und Radsport bei Slavia.
Der Servette FC bestritt aufgrund seiner zentralen geografischen Rolle in Europa bereits in den 1900er Jahren zahlreiche Freundschaftsspiele gegen ausländische Mannschaften. Slavia Prag war übrigens eine der ersten Mannschaften, welche die Schweizer in ihrem Land begrüssten. Das erste dokumentierte Spiel zwischen Slavia und Servette fand im April 1901 in Prag statt. Die Schweizer, die sich mit Spielern von anderen Mannschaften des Landes verstärkt hatten, verloren mit 0:4.
Zwischen 1900 und 1930 erlebte der Fussball an der Donau einen Aufschwung. Die Mannschaften Österreichs, Ungarns und der Tschechoslowakei dominierten das kontinentale Geschehen und wurden oft als Vorbild genannt. Während dieser Zeit trat der SFC noch dreimal gegen Slavia an - jedes Mal in der Schweiz. Am 11. März 1920 gab es eine 0:2-Niederlage, am 26. März desselben Jahres ein 1:1-Unentschieden und am 30. Dezember 1928 eine 1:2-Niederlage.
Der Nationencup
Diese verschiedenen Freundschaftsspiele ermöglichten es den Verantwortlichen beider Vereine, Beziehungen aufzubauen, welche sie auch heute noch pflegen. Als 1930 der Nationencup organisiert wurde, schickte der Genfer Verein eine Einladung an Slavia. Es war eine Einladung zu einem der ersten europäischen Pokalwettbewerbe eine Einladung zur Einweihung des Stade des Charmilles. Bei diesem Wettbewerb beeindruckten die tschechoslowakischen Fussballer das Genfer Publikum und erreichten das Finale. Dieses ging gegen den österreichischen Verein First Vienna verloren. Mehrere Spieler von Slavia waren zu diesem Zeitpunkt Nationalspieler und spielten im Finale der Weltmeisterschaft 1934, das sie gegen Italien verloren.
Die modernen Zeiten
Der Krieg und die deutsche Invasion brachten den Sport im Allgemeinen sowie den Fussball zum Erliegen. Dies im Besonderen in den besetzten Ländern, zu denen auch die Tschechoslowakei gehörte. Slavia hatte sportliche Schwierigkeiten und stieg in den 1950er und 1960er Jahren zweimal ab, bevor es 1965 wieder in die Eliteklasse aufsteigen konnte.
1970 trafen beide Vereine bei einem Wettkampf im Sommer erneut aufeinander. Die Genfer verloren zweimal mit 1:0 und 4:2 (Tore von Schindelholz und Dörfel auf Seiten von Servette).
Da die europäischen Fussballwettbewerbe mittlerweile institutionalisiert und ausgebaut worden waren, kreuzten Servette und Slavia fortan auf der Bühne dieser Wettbewerbe die Klingen. Ein erstes Mal geschah dies 1994 anlässlich des Intertoto-Cups, als die Grenats erneut mit 3:1 verloren. Die Sternstunde des Servette FC kam schliesslich 100 Jahre nach ihrem ersten Aufeinandertreffen. Im UEFA Cup 2001/2002 trafen die beiden Mannschaften in der ersten Runde aufeinander. Den Servettiens gelang es endlich, den ersten Sieg gegen die Tschechen zu feiern. Beim 1:0-Sieg in der Charmilles traf Wilson Oruma!
Das Rückspiel endete mit einem 1:1-Unentschieden, wodurch die Servettiens in die nächste Runde einzogen. Es war der Start in eine legendäre europäische Kampagne, die erst im Achtelfinale endete, nachdem man unter anderem Saragossa und Herta Berlin aus dem Turnier geworfen hatte.
Während ihres Trainingslagers in Portugal im Januar dieses Jahres trafen die beiden Mannschaften in zwei aufeinanderfolgenden Freundschaftsspielen erneut aufeinander. Slavia konnte mit 3:0 und 1:0 gewinnen (zum Bericht der Maroons).
Nun trifft der Servette FC zum zwölften Mal in seiner Geschichte auf die Tschechen. Und man ist gewarnt: Es ist nie einfach, Slavia zu bezwingen.
Wir sehen uns am Donnerstag um 18:45 Uhr für das erste Gruppenspiel in Servettes Vereinsgeschichte!
Quelle: (servettefc.ch / 18.09.2023)
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