Mit einem stufenweisen Massnahmenplan wollen Behörden und Klubs die Fangewalt eindämmen. Jetzt liegt ein erster Entwurf vor. Er enthält umstrittene Vorschläge.
Im Herbst 2021 hatten Bund und Kantone genug: Nach erneuten Ausschreitungen beim Zürcher Stadtderby drängte Sportministerin Viola Amherd (61) auf die Einführung personalisierter Tickets bei Fussballspielen. Auch die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) war einstimmig dafür.
Swiss Football League (SFL) und Klubs waren dagegen. Stadion-Eintritte mit ID-Kontrolle sind ein heisses Eisen, weil sie das Publikum vergraulen könnten. Nach anderthalb Jahren kamen die Verantwortlichen im Frühling zum Schluss: Ein stufenweiser Massnahmenplan soll her. Vorerst aber passiert nichts, was auch bei Sportministerin Amherd auf Enttäuschung stiess.
Wer nicht hören will, muss fühlen
Nun liegt der erste Entwurf zu dem Kaskaden-Modell auf dem Tisch. Und er beinhaltet durchaus brisante Vorschläge, wie die Zeitungen von CH Media berichten. Zum Beispiel, dass ein Klub mit einer Forfait-Niederlage bestraft werden kann, kommt es wiederholt zu schweren Ausschreitungen seiner Fans.
Solange es geht, wollen die Liga und die Sicherheitsbehörden aber auf präventive Ansätze wie den Dialog mit den Fans setzen. Wenn das nicht reicht, sollen Strafen folgen.
Fünf Stufen sind vorgesehen
Der Entwurf umfasst fünf Stufen. Gewisse Vorfälle sollen automatisch bestimmte Massnahmen auslösen. So führe Stufe 1 («gravierende Sachbeschädigungen») zur obligatorischen Lagebesprechung von Polizei, Klub und Fans vor den nächsten drei Spielen. Werden Personen verletzt (Stufe 3), werde die Fankurve des fehlbaren Klubs für mindestens ein Spiel geschlossen. Auch sei der Ticketverkauf zu stoppen, damit Fans nicht auf andere Sektoren ausweichen.
Wichtig seien dabei sogenannte Bewährungsphasen. Nach Zwischenfällen stünden die betroffenen Fans in den nächsten Spielen unter verstärkter Beobachtung. Gab es Verletzte, gelte diese Phase fünf Spiele lang. Kommt es in dieser Zeit erneut zu Ausschreitungen mit Verletzten, werde ein Geisterspiel verhängt.
Kommt es innerhalb der nächsten fünf Spiele dennoch zu ähnlichen Zwischenfällen, sei endgültig Stufe 5 erreicht. Dann wollen die Behörden Ernst machen und die Durchführung des nächsten Spiels nicht mehr erlauben. Der betroffene Klub würde forfait verlieren.
Es ist mit Widerstand zu rechnen
Noch sei nicht alles in Stein gemeisselt, schreiben die Zeitungen von CH Media. In der öffentlichen Vernehmlassung können sich alle Beteiligten zu den Vorschlägen äussern. Der Entwurf dürfte noch für heisse Diskussionen sorgen. Kollektivstrafen sind etwa bei Fans und Klubs verpönt, derzeit aber gleich reihenweise vorgesehen, Stichworte gesperrte Kurven oder gar Stadien.
Zudem seien noch viele Fragen offen. Etwa, was es mit dem Verbot koordinierter Fan-Aktionen (Stufe 3) auf sich hat. Oder wie eine Gesichtserkennung aller eingelassenen Fans (Stufe 2) umzusetzen wäre. Aber auch: Wann ist eine Sachbeschädigung «gravierend» und wann «besonders gravierend»?
Mit Widerstand von Fans und Klubs ist zu rechnen. Letzteren dürfte etwa die Gefahr, forfait zu verlieren, kaum gefallen. Die Liga scheint denn auch nach weiterer Unterstützung zu suchen. Über ihre Internet-Kanäle fordere sie derzeit Fans im ganzen Land offensiv zur Teilnahme an der Vernehmlassung auf.
Der stufenweise Massnahmenplan solle Anfang des nächsten Jahres definitiv vorliegen und dann auf die Saison 2024/25 eingeführt werden. Es ist nicht auszuschliessen, dass er noch einige Änderungen erfahren wird.
Quelle: (blick.ch / 28.09.2023 10:47 Uhr / dba)
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