Mit einem Charterflug von Genf nach Chișinău. Dann mit dem Bus durch die Checkpoints bis nach Tiraspol. Die Reise nach Rom war einfacher und komfortabler. Auch die 60 mitgereisten Fans, unter welche sich auch sieben Marooner mischten, nahmen einige Strapazen auf sich, um den SFC live im Stadionul Sheriff zu unterstützen. Der Verein übernahm dann grosszügigerweise sogar die Kosten der Eintrittstickets und spendierte allen Fans ein Bier.
Von Reisemüdigkeit war allerdings nicht viel zu merken. Servette setzte auf Pressing und kam schon früh zu einer Topchance. Guillemenot, der heute von Beginn weg ran durfte, erläuft sich einen langen Ball. Der Neuzugang aus St. Gallen beweist Übersicht und legt präzise auf Crivelli zurück. Der Franzose kommt alleine vor dem Tor zum Abschluss und hämmert das Leder über den Kasten. Der Traumstart wurde leichtfertig vergeben. Doch es ging gleich weiter. An der gegnerischen Strafraumgrenze zahlt sich Doulines Hartnäckigkeit aus. Der Mittelfeldpuncher erobert sich den Ballbesitz zurück. Antunes vergibt dann aus der Distanz.
Vom hierzulande recht unbekannten Gegner kam langezeit wenig. Viele Ungenauigkeiten störten den Spielfluss des moldawischen Serienmeisters. Servette war technisch besser, verzichtete aber auf unbedachte Offensivstürme. Nach einer halben Stunde war es ein ruhender Ball, der Gefahr vor das Tor von Sheriff bringen sollte. Stevanovic zirkelt einen Eckball auf Crivellis Stirn. Der Angreifer verzieht ganz knapp.
Die transnistrischen Fans mussten sich 39 Minuten lang gedulden, bis ihre Lieblinge zur ersten Torraumszene kamen. Ricardinhos Freistoss wurde von Frick ins Toraus geklärt. So langsam schien man sich mit einer Nullnummer zur Pause abgefunden zu haben. Dann setzte sich Guillemenot am Sechzehner gegen seine Gegenspieler durch. Stevanovic kam an den Ball und lancierte den mitgeeilten Mazikou. Dieser legt quer und erwischt Tovar zwischen den Beinen. Crivelli taucht alleine vor dem leeren Tor auf und drückt das Spielgerät über die Linie. Das 0:1 war absolut verdient. Nur wenige Aufenblicke später doppelte Crivelli beinahe nach. Das wäre jedoch zu viel des guten gewesen.
Mit einer knappen Pausenführung gingen die Grenats in die Pause. Diesen wollte man sich im zweiten Durchgang nicht mehr streitig machen lassen.
Der Start in die zweite Hälfte lief nach Plan. Antunes kam zwei Mal zu guten Abschlussmöglichkeiten. Torwart Koval sah sich jedoch nicht allzu sehr in Bedrängnis gebracht.
Nach einer Stunde hatte Weiler genug. Mit einem Dreifachwechsel wollte der Übungsleiter neue Elemente in die Mannschaft bringen, um den Sack zu zu machen. Bedia, Cognat und Kutesa sollten es richten. Die grossen Chancen blieben allerdings aus. Das Spiel plätscherte gefährlich ereignislos vor sich hin. Mbekeli setzte nach 71 Minuten ein Lebenszeichen. Frick musste den Abschluss des Kameruners entschärfen.
Es ging in Richtung Schlussphase. Tiraspol wagte sich mit Badolo und Ricardinho nach vorne. Der Brasilianer hat viel Zeit. Mit dem Aussenrist bedient er Ankeye. Dieser steht alleine vor Frick und verwandelt cool zum 1:1. Richtig ärgerlich! Da hat man das ganze Spiel gut im Griff und kassiert den Ausgleich mit der ersten richtigen Chance des Gegners.
Nun war ein Endspurt gefragt. Gleichzeitig durfte man aber auch die Defensive nicht vernachlässigen. Badolo unterstrich diese Aussage mit einem gefährlichen Distanzversuch. Nur knapp sauste der Ball am Gehäuse von Frick vorbei. Auch Mbekeli hätte in der Nachspielzeit mehr aus seiner guten Abschlussposition machen können.
Das erhoffte Schlussfeuerwerk des SFC entpuppte sich als ausgehendes Streichholz. Sheriff verteidigte geschickt und sorgte dafür, dass ein Punkt in Tiraspol blieb.
Mit dem Punktgewinn darf man auf Seiten der Grenats nicht zufrieden sein. Man verpasst den ersten internationalen Sieg des Jahres aufgrund einer einzigen Unkonzentriertheit. Gleichzeitig wird man sich über die vergebene Grosschance Crivellis ärgern. Der Sieg wäre ein gutes Polster im Kampf um den dritten Tabellenplatz gewesen. Dieses Polster gilt es nun im Heimspiel gegen die Transnistrier zu aufzubauen. Servette empfängt Sheriff am Donnerstag, 09.11.2023 im Stade de Genève.
Nun geht es am Sonntag mit dem Meisterschaftsspiel gegen den FC Luzern weiter. Mit einem Vollerfolg würde man sich, zumindest auf nationalem Boden, wieder in der erhofften Tabellenregion einnisten.
FC Sheriff Tiraspol – Servette FC 1:1 (0:1)
Stadionul Sheriff : 3'500 Zuschauer
Schiedsrichter : John Brooks ; Neil Davies, James Mainwaring (England)
VAR : David Coote ; Chris Kavanagh (England)
Tore : 41' Crivelli (0:1), 80' Ankeye (1:1)
Servette FC : Frick ; Bolla (76' Tsunemoto), Vouilloz, Severin, Mazikou ; Stevanovic, Douline, Ondoua, Antunes (63' Kutesa) ; Crivelli (63' Cognat), Guillemenot (63' Bedia)
FC Sheriff Tiraspol : Koval ; Zohouri, Tovar, Kiki, Artunduaga (84' Garananga) ; Badolo, Talal, Paulo (38' Mbekeli), Luvannor (76' Apostolakis) ; Ricardinho ; Ankeye
Verwarnungen : 50' Tovar, 75' Zohouri
Bemerkungen : Servette ohne Baron, Besson, Onguéné, Touati (Verletzt), Behrami, Diallo, Dias, Fofana, Henchoz, Kaloga, Lyng, Ndema, Rodelin, Salihi, Sestito, Souaré (Nicht im Aufgebot) ; Sheriff ohne Akanbi, Kyabou, Paiva (Verletzt), Abalora, Ademo, Botan, Bueno, Celeadnic, Djibo, Konan, Moumouni, Ngah, A. Ouattara, Plesca, Scurtul, Silic (Nicht im Aufgebot)
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