Gestern Abend fand im Stade de Genève das vielleicht wichtigste Spiel der Europa-League-Gruppenphase statt. Im Duell um den dritten Tabellenplatz empfing der Servette FC seine Kontrahenten vom FC Sheriff Tiraspol.
Vor 15'822 Zuschauern drückten die Grenats von Beginn weg aufs Gaspedal. Wie aus dem Würgegriff einer Boa lösten sich die Gäste nach 12 Minuten und kamen über rechts. Mbekeli kommt mit viel Körpereinsatz an Mazikou vorbei. Der kamerunische Nationalspieler will scharf zur Mitte passen. Severin versucht zu blocken und fälscht mit der Fussspitze ab. Frick hat keine Abwehrchance und muss mit ansehen, wie die Kugel zum 0:1 über die Linie rollt.
Es war der schlechteste Start ins Spiel, den man sich hätte vorstellen können. Denn mit der Führung im Rücken standen die Transnistrier nur noch hinten rein. Servette war spielerisch besser und offensiv bemüht. Lange kreierte man sich jedoch nichts Produktives. Erst kurz vor der Pause setzte Cognat Kutesa auf dem linken Flügel in Szene. Mit dem Aussenrist passte Kutesa zur Mitte, wo Bedia den Ausgleichstreffer erzielen muss. Der Ivorer lässt die Chance liegen und schiesst übers Tor. Nur wenige Augenblicke später versuchte es Kutesa aus der Distanz. Diesmal fehlte es wieder am Zielwasser. Der Abschluss sauste knapp am Gehäuse vorbei.
René Weiler war gefordert, den Pausenrückstand in die verdiente Führung umzubiegen.
Der SFC-Coach nahm früh in der zweiten Halbzeit einen wichtigen Wechsel vor. Rechtsverteidiger Magnin musste Crivelli weichen. Das Spiel der Schweizer wurde somit offensiver und variabler. Als Bolla mit einem Weitschuss zum ersten Mal Gefahr auf das Sheriff- Tor brachte, schien auch die Stimmung im Rund besser zu werden. Die 15'822 Fans peitschten den SFC an. Vom Gast aus Tiraspol sah man weiterhin wenig. Sheriff spekulierte auf Konterchancen, blieb dann aber weitestgehend harmlos, wenn sich Mal eine Möglichkeit bot. Defensiv zeigten sich die "Osy" allerdings weiterhin kompakt. Bis in die Schlussphase konnte der knappe Vorsprung gehalten werden.
Dann schalteten die Servettiens nochmals einen Gang höher. Mittlerweile stand mit Guillemenot gar ein dritter Angreifer auf dem Feld. Knapp fünf Minuten waren noch zu spielen, als sich Kutesa nochmals aus der zweiten Reihe versuchte. Goalie Koval machte sich lang und parierte. Der Block sprang ans Schienbein von Garananga und landete von dort direkt vor dem einschussbereiten Rouiller. Der Abwehrpatron drischt die Kugel zum 1:1 ins Netz! "Uff!", wenigstens einen Punkt gesichert, dachte man sich auf der Tribüne. Doch plötzlich kam nochmals ein Lebenszeichen von Sheriff. Talal mit einem wunderschönen Zuspiel auf Ankeye. Der Torschütze aus dem Hinspiel stand allein vor Frick. Der Servette-Keeper bewies sich als sicherer Rückhalt und rettete mirakulös gegen den Schuss des Nigerianers.
Auf der Gegenseite kam die Weiler-Truppe zu einem letzten Eckball. Hoch trat Bolla die Kugel in den Strafraum. Alles sekundär, denn Guillemenot wird von Zohouri zu Boden gerissen. Sofort zeigt der Unparteiische auf den Penaltypunkt und stellt den Ex-Lausanner mit Gelb-Rot vom Platz.
Bedia nutzt die Gunst der Stunde und verwandelt den Elfmeter souverän zum 2:1! Servette dreht das Spiel in der Nachspielzeit und holt sich wichtige Punkte im Rennen um den dritten Platz. Als Randnotiz wurde Sheriffs Kiki nach dem Schlusspfiff zum zweiten Mal verwarnt. Auch er sah die Ampelkarte.
Alles "Grün" jedoch auf Seiten des SFC. Die Mannschaft zeigt ein weiteres Mal Charakter und holt sich den verdienten Sieg. So einer soll auch am Sonntag folgen, wenn man den FC Basel empfängt. Gegen den Tabellenletzten fehlen Bedia und Stevanovic gesperrt. Douline fällt allem Anschein nach länger aus und fehlt ebenfalls. Trotzdem scheint Fortuna derzeit Grenat zu tragen. Wir hoffen auch am Sonntag auf eine geschlossene Mannschaftsleistung, ehe es in die Länderspielpause geht.
Servette FC – FC Sheriff Tiraspol 2:1 (0:1)
Stade de Genève : 15'822 Zuschauer
Schiedsrichter : Manfredas Lukjančukas ; Mangirdas Mirauskas, Vytenis Kazlauskas (Litauen)
VAR : Clay Ruperti ; Erwin Blank (Niederlande)
Tore : 12' Severin (Eigentor) (0:1), 84' Rouiller (1:1), 90'+3 Bedia (Foulpenalty) (2:1)
Servette FC : Frick ; Magnin (54' Crivelli), Rouiller, Severin, Mazikou (82' Baron) ; Stevanovic, Cognat (82' Diba), Ondoua (76' Guillemenot), Bolla ; Kutesa, Bedia
FC Sheriff Tiraspol : Koval ; Zohouri, Tovar, Kiki ; Badolo, Talal, Ricardinho (58' Garananga), Paulo, Artunduaga ; Ankeye, Mbekeli (72' Apostolakis)
Verwarnungen : 37' Badolo, 69' Severin, 80' Zohouri, 90' Kiki, 90'+5 Bedia, 90'+8 Koval
Gelb-Rot : 90' Zohouri, 90'+8 Kiki
Bemerkungen : Servette ohne Antunes, Besson, Douline, Tsunemoto (Verletzt), Behrami, Diallo, Dias, Fofana, Henchoz, Kaloga, Lyng, Ndema, Onguéné, Ouattara, Rodelin, Salihi, Sestito, Souaré, Touati (Nicht im Aufgebot) ; Sheriff ohne Akanbi, Kyabou, Paiva (Verletzt), Abalora, Ademo, Botan, Bueno, Celeadnic, Djibo, Konan, Luvannor, Moumouni, Ngah, A. Ouattara, Plesca, Silic, Vardar (Nicht im Aufgebot)
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