Heimbann gegen Lugano gebrochen
Dem Anti-Fussball den Meister gezeigt
"Servette – Lugano fühlt sich an, als würde man die Steuererklärung machen. Es ist mühsam, macht keinen Spass und am Ende verliert man sowieso." Der Heimpartie gegen die Bianconeri wurde im Vorfeld nur wenig entgegengefiebert. Trotzdem "verirrten" sich 6'438 Fans ins Stade de Genève, um dem Aufeinandertreffen beizuwohnen.
Sie bekamen ein Servette zu sehen, das sich nach vorne orientiert. Dies war bereits am Donnerstag gegen Ludogorez so. Da fehlten einfach die Tore. Es schien, als würde sich die Torlosbilanz auch gegen den FCL nahtlos anschliessen. In den Startminuten legt El Wafi mit einem fürchterlichen Pass perfekt für Antunes auf. Dieser zeigte sich vor dem Tor zu unbeholfen und scheiterte an Goalie Saipi. Im zweiten Anlauf versuchte es Guillemenot. Doch auch der ausgebildete Stürmer konnte die Kugel nicht im Kasten unterbringen.
Die bekannte Fussballerweisheit lassen wir nun mal beiseite. Doch nach 11 Minuten zeigten die Gäste den Calvin-Städtern, wie Effizienz aussieht. Nach gutem Pressing kam Sabbatini in Ballbesitz. Schnell schaltete man um. Die Kugel gelangte zu Mahmoud, der trocken von der Strafraumgrenze abdrückte und das 0:1 erzielte. Eine kalte Dusche für die Weiler-Truppe!
Ein Rückstand gegen den FC Lugano ist selten eine komfortable Situation. Denn das Team von Trainer Croci-Torti weiss zu verteidigen und auf Zeit zu spielen. Ohne dass das Spiel extrem ruppig geführt worden wäre, gingen die Luganesi reihenweise und in bester Neymar-Manier zu Boden. Servette versuchte den gegnerischen Abwehrriegel über einen Eckball zu knacken. Stevanovic trat diesen zur Mitte. Dort meldete sich kein Adressat, weshalb Mai den Ball aus dem Sechzehner spedieren konnte. Der Klärungsversuch landete aber auf dem Fuss von Tsunemoto, der direkt draufhielt. Saipi parierte mit einer Glanztat und rettete die Gästeführung in die Pause.
Servette war die bessere Mannschaft, hatte gegen Luganos Anti-Fussball aber noch keine Antwort.
Auch nach dem Seitenwechsel entpuppte sich das Gezeigte nicht als Fussballleckerbissen. Die Grenats hatten lange Mühe, sich vor das gegnerische Tor zu spielen. Und wenn es gelang, war man zu ineffizient, so wie Guillemenot nach 71 Minuten.
Und beinahe wiederholte sich das Gesehene. Denn nach der genfer Chance zeigte sich Lugano auf der anderen Seite des Platzes. Grgic zieht einen Corner vors Tor. Hajdari verlängert zu Celar und der köpft aus nächster Nähe an die Latte! Der Slowene hatte die Vorentscheidung auf der Stirn! Und die Szene war noch nicht zu Ende, denn Antunes schnappte sich die freiliegende Kugel. Sofort sollte der Konter lanciert werden. Mit grossen Schritten machte sich Antunes auf in Richtung FCL-Tor. Grgic stoppte den Schweiz-Spanier mit einer fiesen Grätsche von hinten. Der Angriff war unterbunden, doch Grgic musste mit Rot vom Platz! Ein korrekter Entscheid des Schiedsrichtergespanns. Und was keiner wusste, es sollte der "Gamechanger" werden.
Die Servettiens starteten ihre Schlussoffensive. In der 83. Minute kommt Kutesa auf der linken Seite an den Ball. Mit viel Gefühl flankt dieser auf den zweiten Pfosten, wo Stevanovic komplett vergessen geht. Der Bosnier bestraft die Nachlässigkeit und nickt zum verdienten 1:1 ein! Plötzlich war die Gästemannschaft nervös. Nicht einmal das Zeitspiel konnte mehr helfen. Die Hausherren suchten ihrerseits den Siegtreffer. Und den bekamen sie beinahe von Debütant Bronn geschenkt. Der Innenverteidiger war nach vorne aufgerückt und spedierte eine Stevanovic-Flanke mit dem Schädel an die Torumrandung! Das wäre ein Traumeinstand gewesen.
Zwei Minuten nach dem Aluminiumtreffer bediente Ondoua Guillemenot. Dieser versuchte sich an Hajrizi vorbeizumogeln. Der Verteidiger streckte das Bein aus und legte den Angreifer innerhalb des Strafraums. Da gab es keine zwei Meinungen. Schiedsrichter Horisberger entschied auf Elfmeter! Die Ausführung übernahm Bolla, der cool blieb und zum 2:1 verwandelte. Was war das für ein Spiel! Die Weiler-Elf hätte gar noch höher gewinnen können. Tief in der Nachspielzeit verwandelte Kutesa ins leere Tor, nachdem Saipi für einen Freistoss nach vorne geeilt ist. Der Linienrichter hob aber die Fahne. Die Offensivabteilung des SFC zeigte sich zu ungeschickt und liess sich zu einer Abseitssituation verleiten.
Am Schluss war es egal, denn der Servette FC darf sich weitere drei Punkte gutschreiben lassen. Man feiert den ersten Heimsieg gegen Lugano sein 9 Jahren (!) und bleibt an Tabellenführer YB dran. Am kommenden Sonntag kommt es im Wankdorf zum Sechspunktespiel gegen den amtierenden Meister. Dies nur wenige Tage, nachdem man in Bulgarien das Rückspiel gegen Ludogorez Rasgrad bestreitet. Spannende Tage stehen uns bevor.
Servette FC – FC Lugano 2:1 (0:1)
Stade de Genève : 6'438 Zuschauer
Schiedsrichter : Stefan Horisberger ; Matthias Sbrissa, Alain Heiniger
VAR : Johannes von Mandach ; Raffael Zeder
Tore : 11' Mahmoud (0:1), 83' Stevanovic (1:1), 89' Bolla (Foulpenalty) (2:1)
Servette FC : Mall ; Tsunemoto, Rouiller, Bronn, Mazikou (61' Bolla) ; Stevanovic, Ondoua, Cognat, Kutesa ; Antunes (90'+2 Magnin), Guillemenot
FC Lugano : Saipi ; Hajrizi, Mai, El Wafi, Hajdari (90' Vladi) ; Mahmoud (79' Espinoza), Grgic, Sabbatini ; Bislimi (79' Cimignani), Celar (79' Macek), Mahou (62' Bottani)
Verwarnungen : 18' Mahou, 43' Sabbatini, 60' Mazikou, 76' Croci-Torti, 78' Bronn, 90'+4 Magnin
Rot : 75' Grgic
Bemerkungen : Servette ohne Crivelli, Severin (Gesperrt), Douline (Verletzt), Behrami, Besson, Dias, Kaloga, Ndema, Nishimura, Onguéné, Rekik, Rodelin, Salihi, Sestito (Nicht im Aufgebot), B. N'Diaye (Noch nicht qualifiziert), 86' Lattenkopfball von Bronn, 90'+3 Abseitstor von Kutesa, SFC-Pflichtspieldebüt von Dylan Bronn ; Lugano ohne Valenzuela (Krank), Aliseda, Babic, Doumbia, Marques, Przybylko, Steffen (Verletzt), Angstmann, De Queiroz, Maslarov, Mina, Morandi, C. Ndiaye, Osigwe, Pizzagalli, Pseftis, Spinelli (Nicht im Aufgebot), 74' Lattenkopfball von Celar