DER ABSOLUTE WAHNSINN! WIR HOLEN UNS DEN CUP!
Trainerfuchs Weiler führt Servette zum achten Cup-Titel!
Das Finalspiel der 99. Austragung des Schweizer Cups ist Geschichte. Und es endete mit einem geschichtsträchtigen Penaltyschiessen und dem achten Titel für den Servette FC!
"Der Schatz", wie der Pokal in einer gigantischen Choreo beim Einmarsch benannt wurde, soll zurückgeholt werden. Bereits von Beginn weg unterstrich die Weiler-Elf dieses Bestreben. Man war das bemühtere Team. Gegen Ende der Startviertelstunde wurde es das erste Mal gefährlich. Dann trat Stevanovic einen Eckball zur Mitte. Saipi lässt den harmlosen Flankenball durch die Hände gleiten und lenkt ihn auf den eigenen Kasten. Dort steht Steffen goldrichtig. Der einstige Bundesligasöldner rettete für seinen Torhüter.
Wie so oft, wenn der FC Lugano auf dem Platz steht, war die Partie nicht mit Chancen gespickt. Kurz vor der Pause wagten sich dann aber auch die Bianconeri nach vorne. Valenzuela hat auf der linken Seite viel Platz. Sein Zuspiel findet Celar, der an der Strafraumgrenze auf Steffen zurücklegt. Dieser zieht sofort ab und verfehlt das Gehäuse nur knapp.
Kurz darauf war Pause.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich die Partie von derselben Seite, wie vor dem Tee. Der SFC zeigte sich bemüht, Lugano hielt defensiv gut dagegen. Einzig in der 64. Minute gerieten die Tessiner kurz ins Straucheln. Dann vertändelt Mai einen Ball gegen Antunes. Der Servettien versucht zu schiessen, sieht seinen Abschluss aber geblockt. Mit viel Übersicht schafft es Antunes aber, die Kugel auf links rüberzulegen. Dort lauerte Teamkollege Kutesa, welcher einen Schlenzer auspackte. Saipi war arg in Bedrängnis, konnte allerdings abwehren.
Es ging langsam auf die Verlängerung zu. Noch einmal kam Lugano zu einem Eckball. Steffen trat diesen ins Zentrum, wo Grgic hochstieg und die Kugel an Tsunemotos Arm köpfte. Die Proteste waren gross, Schiedsrichter Dudic und der VAR bewahrten kühlen Kopf und beurteilten die Szene als "nicht-penaltywürdig". Ein Entscheid, den man in der italienischsprachigen Schweiz wahrscheinlich auch heute nicht nachvollziehen mag. Servette solls egal sein. Man rettete sich in die Verlängerung.
Auch dort blieb das grosse Torspektakel aus. Ein Mazikou-Weitschuss war das höchste der Gefühle, was der SFC offensiv zusammenbrachte. Doch auch dieser Abschluss liess maximal ein Raunen durch das Wankdorf gehen.
Nun schien auch die zusätzliche Spielzeit ungenutzt zu verstreichen. Weiler spielte sein letztes As im Ärmel. Nach 118 Minuten beorderte der Übungsleiter Frick vom Feld und bracht Ersatzkeeper Mall. Der zypriotische Nationaltorwart rechtfertigte seine Einwechslung nur wenige Augenblicke später. Dann hämmerte Aliseda einen ungenügend geklärten Corner erneut aufs Tor. Das Geschoss aus der zweiten Reihe forderte Mall ganz schön. Jeder Zentimeter seines Arms war nötig, um das Leder noch um den Pfosten zu lenken. Damit rettete der Schlussmann seien Farben ins Elfmeterschiessen.
Dort durfte Stevanovic als erster Schütze antreten. Der Bosnier verwandelt glücklich. Saipi war mit der Hand am Ball – 1:0.
Für die Luganesi eröffnete Mai. Der Deutsche behielt die Nerven und traf zum 1:1.
Bei den Grenats stellte sich Defensivspezialist Severin als nächstes. Abgebrüht stellte der SFC-Spieler mit den meisten Spielminuten 2023/2024 auf 2:1.
Die erneute genfer Führung erwiderte Grgic kompromisslos mit dem Tor zum 2:2.
Für die Weiler-truppe folgte Nishimura. Dem Joker flatterten die Nerven. Saipi pariert den schlecht getretenen Elfmeter ohne Mühe. Aber Moment! Der FCL-Keeper stand zu weit vor der Linie! Dudic liess den Penalty wiederholen. Diesmal mit dem besseren Ende für Nishimura – 3:2.
Durchatmen war angesagt! Zumindest bei den Genfern. Für Lugano legte sich Aliseda die Kugel bereit. Abgezockt traf dieser zum 3:3.
Nun kamen Rouiller und Mahou. Beide düpierten den gegnerischen Goalie. Es stand 4:4.
Dann schickte sich Bolla an, einen "Elfer" zu treten. Der ungarische EM-Fahrer liess sich von Saipi verunsichern. Der Torwart parierte!
FCL-Rekordspieler Sabbatini hatte den Siegtreffer auf dem Fuss. Der Uruguayaner zog voll ab und schoss drüber! Es ging weiter!
Jetzt war der zweite Japaner an der Reihe. Tsunemoto wollte Saipi keine Abwehrchance lassen. Der Aussenverteidiger nahm sich aber zu viel vor und donnerte das Leder an die Querlatte.
Wieder lag das Momentum auf Seiten des FC Lugano. Steffen nahm Anlauf. Trotz all seiner Routine war auch er nicht vor Nervosität gefeit. Mall entschärfte den Schuss ohne Probleme und hielt den SFC im Rennen!
Douline übernahm als nächstes die Verantwortung. Kurz und schmerzlos schickte der Franzose Saipi in die falsche Ecke und markierte das 5:4.
Dieses Skore glich Valenzuela mit einem Geschoss ins Lattenkreuz wieder aus – 5:5.
Das Nervenflattern hatte längst schon die Fans auf den Tribünen erreicht, da legte sich Mazikou das Leder zurecht. Der Aussenback zeigt sich abgezockt und erhöht per Flachschuss auf 6:5.
Beim Gegner wollte Doumbia seinem Ex-Verein in die Cup-Suppe spucken. Der Ivorer verwandelte sicher zum 6:6.
Als auch Ondoua und Cimignani ihre Elfmeter im Tor unterbrachten, stand es 7:7.
Der eingewechselte Magnin lief zum Punkt. In seinem ersten Endspiel auf Profiebene liess sich das Eigengewächs zu sehr von den Fans hinter dem Tor verunsichern. Saipi stoppte die Kugel vor der Linie und machte den nächsten Matchball klar!
Diesen hatte Hajdari auf dem Fuss. Kürzlich zum ersten Mal in den Genuss eines Nati-Aufgebots gekommen, lief der Verteidiger an und musste sich Mall geschlagen geben! Der Cup-Wahnsinn war perfekt! Denn nun mussten die Torhüter ran.
Als erstes lief Mall an. Der Aargauer verwandelte per Flachschuss in die rechte Ecke.
Im nachfolgenden Duell zeigte sich Saipi ähnlich abgebrüht. Auch er verwandelt unten rechts. Es stand 8:8.
Für Servette musste nun Severin ein zweites Mal ran. Die Nummer 19 behielt die Nerven ein zweites Mal und stellte auf 9:8.
Mit dem Selbstvertrauen vom ersten Penalty lief Mai doppelt für Lugano an. Mit einem satten Schuss in die linke Ecke versuchte er Mall zu düpieren. Dieser reagierte schnell und parierte mit seiner "Tatze"! Es war vollbracht! Unglaublich!
Der Servette FC holt die Sandoz Trophäe in die Calvin-Stadt! Zum ersten Mal seit 2001! Ein Riesenerfolg für René Weiler, seinen Staff und natürlich seine Mannschaft. Auf den Tribünen brechen alle Dämme! Freudentränen, Platzsturm, grenzenloser Jubel. Die Grenats schreiben endlich an ihrer Erfolgsgeschichte weiter. Es bleibt ein Tag und eine Nacht für die Ewigkeit!
Servette FC – FC Lugano 9:8 n.P. (0:0) (0:0) (0:0) (0:0)
Stadion Wankdorf : 27'710 Zuschauer
Schiedsrichter : Alessandro Dudic ; Bekim Zogaj, Bastien Lengacher
VAR : Sven Wolfensberger ; Stefan Horisberger
Tore : /
Servette FC : Frick (118' Mall) ; Tsunemoto, Rouiller, Severin, Mazikou ; Cognat (118' Douline), Ondoua ; Stevanovic, Antunes (78' Magnin), Kutesa (113' Nishimura) ; Guillemenot (86' Bolla)
FC Lugano : Saipi ; Doumbia, Mai, Hajdari, Valenzuela ; Grgic ; Bislimi, Mahmoud (68' Sabbatini) ; Steffen, Celar (55' Vladi (91' Cimignani)), Bottani (68' Aliseda)
Verwarnungen : 21' Hajdari, 38' Valenzuela, 45'+2 Severin, 57' Saipi, 57' Antunes, 59' Cognat, 106' Sabbatini
Bemerkungen : Servette ohne Crivelli, N'Diaye (Verletzt), Behrami, Dias, Diba, Kaloga, Lyng, Onguéné, Rekik, Salihi, Sestito (Nicht im Aufgebot) ; Lugano ohne Angstmann, Babic, De Queiroz, Espinoza, Hajrizi, Maslarov, Mina, Morandi, Nkama, Osigwe, Pizzagalli, Przybylko, Pseftis, Reynolds (Nicht im Aufgebot)