Ex-SFC-Verteidiger Karembeu und seine bewegte Familiengeschichte
Der Zoo Basel wird 150 Jahre alt. Anlässlich des Jubiläums widmete der SRF Kulturplatz dem "Zolli" einen Spezialbeitrag. Darin sprach man die Vorreiterrolle des zoologischen Gartens in der Zucht oder die Entwicklung der Gehegearchitektonik an. Im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung mit der Materie wurden auch dunkle Kapitel angesprochen. Darunter waren auch die zahlreichen "Völkerschauen", welche der Zoo durchführen liess. Was in den Jahren 1879 bis 1935 die Kassen klingeln liess, sorgt heute bloss noch für Stirnrunzeln. Denn bei diesen Völkerschauen wurden Menschen, zum Beispiel indigener Herkunft, im Zoo ausgestellt.
Der Zoo Basel war nicht der einzige Tiergarten, der das Geschäftsmodell anwandte. Auch in Hamburg oder Paris mussten sich exotische Völker in Gehegen oder, eigens dafür angelegten, "Dörfern" der Schaulust des Publikums aussetzen lassen. Ein dunkles Kapitel Geschichte, das auch mit dem ehemaligen Weltklasseverteidiger Christian Karembeu verbandelt ist. Der einstige Servettien und heutige Funktionär bei Conference-League-Sieger Olympiakos Piräus, wuchs in Neukaledonien, einer französischen Überseekolonie, östlich von Australien auf. Dies als Angehöriger der Bevölkerungsgruppe der "Kanaken". Das Volk aus dem Südpazifik war ein klassisches "Ausstellungsobjekt" an diesen Völkerschauen. Karembeu, der in seiner Aktivzeit 23 Spiele (2 Tore) für den SFC absolvierte, wurde schon früh mit dem Thema konfrontiert. Sein Urgrossvater wurde als "Kannibale" im Tierpark Hagenbeck in Hamburg ausgestellt. Zwei seiner Onkel wurden 1931 an der Kolonialausstelung in Paris der breiten Öffentlichkeit vorgeführt. Als Protest gegen die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen seiner Verwandten und dem Wegschauen der französischen Behörden, weigerte er sich 1998 an der Heim-WM die Nationalhymne mitzusingen. Die Familiengeschichte Karembeus nahm der NDR vor ein paar Jahren auf. Eine interessante halbe Stunde, welche man sich in der Sommerpause gut zu Gemüte führen kann.
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