Viele Nebengeräusche begleiteten den gestrigen Super-League-Spitzenkampf zwischen Servette und dem BSC Young Boys. Einerseits musste der Verein die Sektorenschliessung auf der Tribune Nord durchziehen, andererseits musste der Vorverkauf auf den anderen Tribünen ebenfalls gestoppt werden. Zudem sorgte Klubintern Joseph Nonge für Unruhe, als er sich auf der Rückfahrt vom Lugano-Spiel auf Instagram öffentlich über seine Einsatzzeit beschwerte. Der Belgier verglich sich mit einem Spotify-Schnupperabo, das man abgeschlossen habe, aber nicht mehr gebrauche. Teamintern wurde die Sache schnellstmöglich geklärt. Häberli platzierte den Mittelfeldspieler aber wieder auf der Bank.
Zu Spielbeginn gab es Bewegung auf- und vor den Rängen. Lautstark betraten die Servette-Ultras die Tribune Est, für welche sie sich Tickets gesichert hatten. Einige Personen brachen aus dem Tumult aus und rannten vor den Gästeblock, wo die YB-Fans Banner, Fahnen und eine Trommel überreichten. Der Anhang der Berner schmuggelte das Fanmaterial der Genfer ins Stadion. Einmal mehr zeigten die Ultras auf, wie schwachsinnig die Kollektivstrafen sind und wie einfach diese umgangen werden können.
Ähnlich fulminant starteten dann auch die Servettiens, als Schiedsrichter Horisberger die Partie anpfiff. Nach 8 Minuten schaltete Baron die gegnerische Abwehrreihe mit einem sensationellen Pass auf Stevanovic aus. Der Bosnier zog alleine auf das YB-Tor und erwischte Torwart Keller in der langen Ecke. Das frühe 1:0 zählte allerdings nicht! Der Linienrichter signalisierte eine Abseitsposition des Bosniers. Der VAR konnte keinen eindeutigen Fehler entdecken, weshalb der Milimeterentscheid für definitiv erklärt wurde. Der SFC blieb aber am Drücker und zeigte eine ansprechender Startphase, als der Gegner aus der Bundesstadt. Nach 25 Minuten konnte Mazikou auf der linken Seite flanken. Die Kugel senkte sich gefährlich am zweiten Pfosten, wo Stevanovic den Kopf hinhielt. Wieder hatte die Nummer 9 viel Pech. Sein Versuch landete an der Latte. Kutesas Nachschuss konnte Benito in Extremis abblocken.
Es war knapp eine halbe Stunde gespielt, da kamen auch die Young Boys so richtig in der Partie an. Virginius stand am Ende einer schnell vorgetragenen Ballstafette. Der Flügelspieler umkurvte Adams und suchte den Torerfolg. Mall verhinderte den Rückstand mit einer Glanztat.
Es ging langsam in Richtung Pause. YB kam zu einem Eckball. Ugrinic trat diesen auf den ersten Pfosten, wo Fassnacht Bewacher Baron entwischte. Der Ex-Nationalspieler trifft den Ball perfekt und verwandelt, unhaltbar, zum 0:1. Dabei blieb es bis zur Halbzeitpause.
Nach Wiederanpfiff galt es für Servette, möglichst kein zweites Gegentor zu erhalten und selbst zu skoren. Wahrscheinlich war man noch in Gedanken versunken, da zündete Virginius auf rechts den Turbo. Der Franzose legte optimal für Fassnacht auf. Der zimmerte das Spielgerät unter die Latte und drehte zum Jubel ab. Doch in dieser Szene war Fortuna für einmal auf der Seite der Gastgeber. Virginius startete aus dem Abseits. Horsiberger entschied auf Entlastgungsfreistoss für Servette. Und der Schiedsrichter blieb im Fokus. Denn in der 63. Minute zeigte er auf den Elfmeterpunkt, nachdem Cognat von Lauper ausgebremst wurde. Die Riesenchance auf den Ausgleichstreffer wurde den Grenats aber sogleich wieder genommen. Denn dem VAR fiel auf, dass das Foul ausserhalb des Sechzehners begangen worden war. Dusel für YB! Es gab nur Freistoss. Als die Szene ausdiskutiert war, ging es um die Ausführung der Standardsituation. Stevanovic übernahm für den SFC und hämmerte die Kugel an den Pfosten! Was für ein Pech, das die Häberli-Truppe an diesem Abend hat! Weiter gings!
Die Mannschaft aus der Rhône-Stadt drückte weiterhin aufs Gaspedal. YB stand hinten rein und lauerte auf Konterchancen. Diese vergaben die Berner aber oftmals leichtsinnig. Am brenzligsten wurde es, als der eingewechselte Males ebenfalls den Pfosten traf. Das Tor in der 83. Minute hätte aber aufgrund einer Offsidepositionen sowieso nicht gezählt.
Am Schluss half alles Pressing des Heimteams nichts. "Gelbschwarz" holt den Dreier im Stade de Genève und könnte Servette vom Leaderthron stossen. Dies wäre der Fall, wenn Basel am Donnerstag das Heimspiel gegen GC für sich entscheiden könnte. Mit YB sitzt den Grenats neuerdings ein formstarkes Team im Nacken. Nur noch zwei Punkte trennen die beiden Kontrahenten. Mit dem FC Luzern könnte ein weiterer Konkurrent bis auf einen Punkt an den SFC heranrücken.
Servette FC – BSC Young Boys 0:1 (0:1)
Stade de Genève : 6'122 Zuschauer
Schiedsrichter : Stefan Horisberger ; Claudio dos Santos, Christophe Loureiro
VAR : Lukas Fähndrich ; Nico Gianforte
Tore : 41' Fassnacht (0:1)
Servette FC : Mall ; Tsunemoto, Adams, Rouiller, Mazikou ; Ondoua (74' Ouattara), Baron ; Stevanovic, Cognat, Kutesa (82' Guillemenot) ; Ndoye (57' Crivelli)
BSC Young Boys : Keller ; Athekame (88' Blum), Camara, Benito (38' Raveloson), Hadjam ; Ugrinic, Lauper ; Fassnacht, Lakomy (46' Males), Virginius (72' Conté) ; Itten (46' Bedia)
Verwarnungen : 23' Benito, 64' Lauper, 72' Ondoua, 83' Conté, 90'+4 Fassnacht
Bemerkungen : Servette ohne Antunes, Beniangba, Frick, Magnin, Srdanovic, von Moos (Verletzt), Aubert, Diallo, Dias, Fankhauser, Salihi (Nicht im Aufgebot), 8' Abseitstor von Stevanovic, 25' Lattenkopfball von Stevanovic, 65' Pfostenschuss von Stevanovic ; YB ohne Colley, Conte, Janko, Monteiro, Seiler, Zoukrou (Verletzt), Bajrami, Bomo, Jetzer, Lüthi, Marzino, Smith (Nicht im Aufgebot), 48' Abseitstor von Fassnacht
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